Geschlechtergerechtigkeit: Weihnachten ist Wandlung.

Weihnachten und der * von Bethlehem

Der * von Bethlehem ist der * von David und Jonathan und von Venus, Maria und Fatima und von Dir.

Hinter dem Hirtenfeld, Bethlehem
Hinter dem Hirtenfeld, Bethlehem

Der * von Bethlehem verändert

Weil christlicher Glaube Beziehungsgeschehen ist, achtet plan:g auf eine geschlechtergerechte Sprache. Seit 2015 nutzen wir den sogenannten Gender-Stern. Manchen Leser*innen erscheint das ungewohnt. Aber beim Teilen geht es nicht darum, Brotkrumen wegzugeben und die eigene Sicht auf die Welt zu festigen: Weihnachtliche Liebe erfordert Hinschauen und Bereitschaft zur eigenen Veränderung, nicht die Bestätigung der eigenen Überlegenheitsgefühle. 

Gendersensible Arbeit

Das Projektblatt zur Weihnachtsaussendung 2019 erzählt, wie wir mit geschlechtersensibler Arbeit und mit Ihrer Hilfe Familiengesundheit in Palästina stärken und warum Geschlechtergerechtigkeit dabei zentral wichtig ist.

Er? Hat Gott ein Geschlecht?

Nur sehr wenige radikale Skeptiker*innen sehen Jesus als ein unhistorisches Konstrukt. Auch die säkulare Geschichtsschreibung geht davon aus, dass Jesus gelebt und gewirkt hat. Dass Jesus aber physisch in Bethlehem (hebräisch: beit lehem, „Haus des Brotes“; arabisch: beit laham, „Haus des Fleisches“) geboren wurde, ist eher unwahrscheinlich: Der Geburtsort Jesu – im Stall und in einer Flüchtlingsfamilie – ist weniger geographische Aussage als vielmehr theologische Wahrheit. Gott ist bei den Armen und Vertriebenen, immer. Er ist bei allen Menschen.

Jesus ist ein Mann, geboren im Haus des Brotes. Wo Brot gebrochen wird, wird geteilt. Und im Teilen ist Gott: Am Anfang der göttlichen Liebe steht das genaue Hinsehen. Wie sieht die Bibel den Menschen? Die Schöpfungsgeschichte erzählt von der Schaffung des Menschen als männlich und weiblich, nach göttlichem Ebenbild (Gen 1,28). In Gott und im Menschen ist Weibliches, Männliches und Liebe. Die Bibel kennt noch eine zweite Schöpfungsgeschichte, in der Gott die Frau aus einer Rippe formt (Gen 2,22).

Die Schöpfungsberichte unterscheiden sich.

Wer die heiligen Schriften wortwörtlich als welterklärende Betriebsanleitung liest, kommt schon bei den unterschiedlich erzählten Schöpfungsgeschichten ins Schleudern. Die Doppelerzählungen im Ersten und Zweiten Testament laden dazu ein, Perspektiven zu hinterfragen und zu wechseln. Damit legt die Bibel keine Rollen fest, sondern fordert uns auf, Gesellschaft gerecht zu gestalten. Weder Gottvater noch Gottsohn begründen die Vormachtstellung von Männern in der Gesellschaft. Auch nicht in der Kirche oder der Medizin. Das wird in unserer Kirche, aber auch im Gesundheitsbereich oft übersehen.

Der Glaube an den Einen Gott (oder den allwissenden Arzt) gibt Geborgenheit. Jeder Glaube kann missbraucht werden, um in scharfer Abgrenzung zu anderen Identität zu gewinnen und ungerechte Strukturen zu verteidigen. Die Rechtfertigung von Geschlechterungerechtigkeit ist ein bekanntes Beispiel dafür.

Im Gesundheitssektor können Geschlechterungerechtigkeiten tödlich sein. Das gilt nicht nur in Bethlehem oder in anderen weit entfernten Orten in Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit. Es gilt auch für uns in Europa: Im Oktober 2019 stellte eine Studie der Universität Edinburgh (DOI: 10.1016/j.jacc.2019.07.082) neuerlich fest, dass bei Männern mit heftigen Brustschmerzen die korrekte Herzinfarkt-Diagnose doppelt so häufig gestellt wird wie bei Frauen. Grund: Dem Schmerzempfinden von Frauen wird nicht nur in unserer Kultur weniger geglaubt. Infarkt-Patientinnen werden zu oft mit Bauchweh oder Angststörungen fehldiagnostiziert. Das ist auch in Palästina so.

Genderforschung ist gut biblisch

Darum ist es gut, dass es mittlerweile auch in Österreich Lehrstühle gibt, die sich mit Gendermedizin, d.h. mit der geschlechtsspezifischen Erforschung von Gesundheit befassen. Dort wird z.B. untersucht, in welchen Dosierungen Patient*innen welche Schmerzmittel vertragen. Vor allem geht es um das soziale Umfeld und um das durch Rollenzuschreibungen zugewiesene Geschlecht (englisch: „gender“). Es geht in den heiligen Texten um die Annäherung an das, was und wer Mensch und Gott sind und in welcher Beziehung sie zueinander stehen.

Weil christlicher Glaube Beziehungsgeschehen ist, geht es um die Beziehung des Menschen zu Gott auch in der Welt. Papst Franziskus spricht mehrfach von einem fehlgeleiteter Anthropozentrismus als Anlass eines fehlgeleiteten Lebensstils (EG 55, LS 122), der Ursache für die Zerstörung der Erde durch Verschmutzung und Ungerechtigkeit ist. Das naturwissenschaftlich-theologisch immer genauere Verständnis des Menschseins ist für die Entwicklung der Kirche und ihrer Moraltheologie wesentlich (vgl. www.plan-g.at/regenbogen).

Intersektionalität

In uneren Projekten arbeiten wir mit dem Konzept der Intersektionalität. Das Instrument macht komplexe Formen der Diskriminierung verständlich. Denn der Intersektionalitäts-Stern zeigt Ausgrenzung aufgrund sich überlappender Faktoren. Ein Beispiel: Eine (1) körperlich beeinträchtigte, (2) staatenlose, (3) muslimische, (4) nicht-heterosexuelle (5) Frau mit (6) Wohnsitz in Ost-Jerusalem hat einen deutlich schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung als ein säkularer, männlicher IT-Spezialist in Tel Aviv, der dieselbe körperliche Beeinträchtigung hat. Das liegt auch, aber nicht nur am besseren Verdienst des IT-Spezialisten („lieber reich und gesund als arm und krank“).

Der oben verlinkte wikipedia-Artikel zur Intersektionalität erklärt die Komplexität sehr anschaulich: Ein gehbehinderter Obdachloser wird „gegebenenfalls nicht nur als Obdachloser und als Gehbehinderter diskriminiert, sondern er kann auch die Erfahrung machen, als gehbehinderter Obdachloser diskriminiert zu werden d. h. er erfährt Formen der Diskriminierung, die weder ein Nichtbehinderter Obdachloser noch ein (Geh-)Behinderter mit festem Wohnsitz erfährt.“

Beim Konzept der Intersektionalität geht es also nicht um eine Zuordnung von Attributen, um Festlegungen oder um irgendeine eine Art von „Schubladisierung“. Die Skizze intersektionaler Ausgrenzung in Österreich zeigt, wie komplex Gesundheit in Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit ist und wie vielfältige Diskriminierungserfahrungen zu überwinden sind. Weihnacht will Wandlung und keine Engführung. Es geht um die Überwindung von Schubladen, um Freiheit. 

Das Poster

In vielen Kirchen und Ordinationen hängen fünfmal im Jahr unsere Poster und laden zum Nachdenken über Gesundheit in der Einen Welt ein. Haben Sie Zugang zu einem öffentlichen Ort, wo die Poster auch Beachtung finden könnten? Dann sprechen Sie uns bitte an.



Weil Sie sich für Gesundheit und die Eine Welt interessieren ...

 … haben Sie bis hierher gelesen. Dafür bin ich Ihnen dankbar. Denn die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Krankheit in der Einen Welt sind sehr komplex. In einer sich schnell verändernden Welt ist das Menschenrecht auf Gesundheit immer neuen Bedrohungen  ausgesetzt. Das gilt für die Gesundheit der Ärmsten ebenso wie für uns in Österreich. Darum versteht sich plan:g als Partnerschaft für globale Gesundheit.

Diese Partnerschaft braucht Ihr Mitdenken, Ihr Mithandeln und auch Ihre finanzielle Unterstützung. Werden Sie Teil der Partnerschaft für globale Gesundheit: Mit Ihrer Zahlung machen Sie Gesundheit ansteckend. Das geht schnell. Und mit unserem System sparen Sie die Gebühren der großen Zahlungsanbieter. Danke im Namen des ganzen Teams und im Namen unserer Partnerorganisationen — Pfr. Edwin Matt, Kuratoriumsvorsitzender. 

Mitzahlen