Differenzen verstehen, Pessimismus überwinden

Die Orientierungshilfe zum Verhältnis von deutscher AfD und Kirche ist auch in Österreich und für die politische Auseinandersetzung um soziale Gerechtigkeit und Gesundheit in der Einen Welt relevant. 

Das Institut für Christliche Sozialwissenschaften (ICS) an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster und das Zentrum für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft in München haben eine Vergleichsstudie zu den Positionen der deutschen politischen Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) und denen der katholischen Kirche erarbeitet. 

Die Studie entstand auf Anregung der landespolitischen Vertreter der Bistümer in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sie fungiert als „binnenkirchliche Hilfestellung“ bei der Einordnung von in Deutschland neuen parteipolitischen Entwicklungen. 

Weil die Untersuchung die massiven Differenzen zwischen populistisch-völkischen Positionen und denen der katholischen Soziallehre benennt, ist sie auch im österreichischen Kontext eine wertvolle Ermutigung zum politischen Diskurs. Die Studie zeigt, wieso ein ethno-nationales Gesellschafts- und Staatsverständnis ausgrenzende Feindbilder fördert und warum dies mit der Kirchenlehre unvereinbar ist.

Vereinfachungen vermeiden

So nutze die AfD beispielsweise die Politikfelder Soziales und Gesundheit, um auf drängende soziale Fragen der Altersarmut und Rentensicherheit sowie der Gesundheitsversorgung national enggeführte Antworten zu geben. Im völkischen Argumentationszusammenhang werde eine bestimmte ethnische Zugehörigkeit zum Wert an sich. Dies sei der katholischen Soziallehre mit ihren Orientierungen am universalen Gemeinwohl fremd. Auch die bevölkerungspolitische Verzweckung der Familie widerspreche dem katholischen Verständnis von Familie und Lebensschutz. 

Vor diesem Hintergrund empfiehlt das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich insbesondere das Kapitel 4 („Potentiale der Hoffnung stärken - Schlussfolgerungen und Perspektiven“) als eindringliches Plädoyer gegen den Pessimismus. Die Studie gibt wertvolle Handlungsempfehlung zur Überwindung eines Freund-Feind-Denkens. Sie kann in der oft gespaltenen österreichischen Gesellschaft segensreich wirksam werden. 

Dazu Pfarrer Edwin Matt, Kuratoriumsvorsitzender des Aussätzigen-Hilfswerks Österreich: „Ein besseres Verständnis komplexer und auch globaler Zusammenhänge kann helfen, vereinfachende Lösungsversprechen zu enttarnen. Gerechtigkeit braucht engagierte Debatten, Ambiguitätstoleranz und das ständige Ringen um bestmöglich verhandelte Kompromisse. Die Veränderungen in der Welt erfordern die Bereitschaft, Veränderung zu gestalten.“

Die komplette Studie

Die vollständige Studie des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften (ICS) an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster sowie des Zentrums für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft in München finden Sie hier. 

Zur Studie



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