Kranker Planet. Globale Gesundheit.

Gedenktag des Franciscus Assisiensis 2021

Wie sähe Franz unsere Welt heute?

Panorama von Assisi (vom Monte Subasio). Gunnar Bach, Public domain, via Wikimedia Commons
Panorama von Assisi (vom Monte Subasio). Gunnar Bach, Public domain, via Wikimedia Commons

Franziskus war ein reicher Kaufmannssohn, der sich dazu entschloss, nach dem Wort des Evangeliums und in Armut zu leben. Franziskus war ein Mensch des Hochmittelalters. Das war eine Zeit der gewaltsamen gesellschaftlichen Umbrüche. Franziskus rang mit seinem wirtschaftlich erfolgreichen Vater. Er rang auch mit der Kirche. Denn die Kirche seiner Zeit bekämpfte Armutsbewegungen.

Franziskus bleibt eine für jede kirchliche Reform interessante Person. Darum war es ein Paukenschlag, als Jorge Mario Bergoglio 2013 (als erster Papst überhaupt) den lateinischen Papstnamen Franciscus annahm: Franz, der von der Kirche zunächst verfolgt, dann zum Ordensgründer und nach seinem Tod sehr bald heiliggesprochen wurde. Franz, der sich um die Einheit und Bewahrung der Schöpfung bemühte. Franz, für den Frieden, Gerechtigkeit und die Kritik eines ungerechten Wirtschaftssystems wesentliche Inhalte seines Glaubens waren.

Resilienz als neues Leitbild der Entwicklungszusammenarbeit?

Klimakrise, Coronakrise, Wirtschaftskrise, Demokratiekrise, Finanzkrise, Kirchenkrise... Diese Liste lässt sich lange fortsetzen. Wir befinden uns in einem Dauerzustand von miteinander verbundenen sozial-ökologischen Krisen. Vergleiche mit den großen Umbrüchen der Menschheitsgeschichte drängen sich auf. Der Wunsch nach resilienten Systemen wird immer größer.

Der Begriff Resilienz begegnet uns in der Soziologie und Ökologie sowie in der Psychologie und Medizin. Seinen Ursprung hat er im Lateinischen „resilire“, das so viel wie abprallen, zurückspringen, nicht anhaften bedeutet. Je mehr Störungen ein System aushalten und abfedern kann, desto resilienter ist es. Wie widerstands- und regenerationsfähig sind Menschen und Gesellschaften angesichts komplexer, von Menschen verursachter Risiken und Katastrophen? Wie kann die Vision von gesunden Individuen und blühenden Gemeinschaften dennoch verwirklicht werden?

Der Begriff der Resilienz erweitert den Begriff der Nachhaltigkeit: Resiliente Systeme richten nicht nur keinen Schaden an, sondern stabilisieren sich in der Krise.

Die Coronakrise hat gezeigt, dass unser heutiges Wirtschaftssystem und Gesundheitswesen nicht resilient sind. Der Wachstumszwang des letzten Jahrhunderts hat dazu geführt, dass die Wirtschaft nicht mehr dem Menschen, sondern der Mensch der Wirtschaft dient. Für die Verwirklichung eines guten Lebens für alle brauchen wir ein solidarisches Wirtschaftssystem sowie eine faire Verteilung der Sorgearbeit für Mensch, Tier und Pflanzen. Denn die Sorgearbeit, wie Kinderbetreuung, Pflege, familiäre Unterstützung, Hilfe unter Freunden und in der Nachbarschaft, trägt unsere Gesellschaft.

Betrachten wir uns in der Tradition der katholischen Soziallehre als „Menschheitsfamilie“, können wir angesichts der Grund- und Menschenrechtsverletzungen ihrer Mitglieder nicht ungerührt bleiben, so Papst Franziskus. Er sieht neben der ökologischen Problematik die Verteilungsfrage als Kern des Problems globaler Gerechtigkeit. So spricht sich Papst Franziskus in Tradition des hl. Franziskus für eine sozial und ökologisch ausgerichtete Wirtschaft aus, die den Menschen ganzheitlich dient und im Sinne eines weltweit zu fassenden Gemeinwohls funktioniert.

Krankheit, Gesundheit, Resilienz

Als Resilienz bezeichnet man die Fähigkeit, Krisen nicht nur zu bewältigen, sondern gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Resiliente Menschen oder Systeme schaffen es auch bei schwierigen Situationen, wieder in einen Zustand des umfassenden Wohlbefindens zurückzufinden (ein Wohlbefinden, das die Weltgesundheit als Gesundheit definiert). Sie haben Handlungsmuster zur Krisenbewältigung entwickelt, welches sie befähigt, mit Belastungen und Krisen gut umgehen zu können. Resilienz hat viel mit einem positiven Gesundheitsbegriff zu tun, der mehr als die Abwesenheit von Krankheit bedeutet.

Die Förderung von Resilienz steht im Zentrum der Arbeit von plan:g. Denn die Widerstandskraft unserer Partnerorganisationen und aller Institutionen und Menschen, die sich für die Gesundheit der Ärmsten einsetzen, muss gestärkt werden. Die genannten Krisen haben unmittelbare und katastrophale Auswirkungen auf die Schwächsten, die Schutz brauchen.

Mehr dazu lesen Sie in unserer Programmbeilage zum Gedenktag 2021.

Weiter denken: Resilienz in der Kritik

Fit für die Katastrophe? Das war der Titel des Readers zum von Medico International 2017 veranstalteten Resilienz-Symposiums, das sich sehr kritisch mit dem Begriff der Resilienz auseinandersetzte. Eine solche kritische Auseinandersetzung ist notwendig. Denn der Resilienz-Begriff und die Forderung nach Resilienz kann dazu missbraucht werden, auf die Arbeit gegen die Ursachen von Krisen zu verzichten. Dann geht es nicht um mehr Gerechtigkeit, sondern um die Verwaltung der Konsequenzen von Ungerechtigkeit.

Auch wenn wir von Krisen umzingelt sind, geht es nicht nur um Symptombekämpfung, sondern um eine grundsätzliche Alternative zur herrschenden Krisendynamik.

Gesundheit in der Einen Welt

Untenstehende Illustration zeigt, wie die Gesundheit des Planeten Erde und die Gesundheit der Menschen, Tiere und der Umwelt zusammengehören.

Die Illustration verbindet das One Health-Konzept und die Idee der planetaren Gesundheit. Die Grafik erleichtert den Gesprächseinstieg mit Fachleuten des jeweiligen Metiers, die nicht immer ohne Betriebsblindheit arbeiten.

Der Hinweis auf die Verantwortung des Menschen und die Verbundenheit der Weltgesundheitsprobleme ist wesentlich für die Arbeit von plan:g.
AHW one health deutsch

Was Sie tun können

In vielen Kirchen und Ordinationen hängen fünfmal im Jahr unsere Poster und laden zum Nachdenken über Gesundheit in der Einen Welt ein. Bitte hängen Sie das Poster sichtbar aus. Wenn Sie Zugang zu einem öffentlichen Ort haben, wo unsere Poster Beachtung finden könnten, sprechen Sie uns bitte an. Unserer Post an Kirchen und Ordinationen liegen heuer auch weitere Programminformationen bei. Danke, wenn Sie auch diese Infos auflegen.



Weil Sie sich für Gesundheit und die Eine Welt interessieren ...

 … haben Sie bis hierher gelesen. Dafür bin ich Ihnen dankbar. Denn die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Krankheit in der Einen Welt sind sehr komplex. In einer sich schnell verändernden Welt ist das Menschenrecht auf Gesundheit immer neuen Bedrohungen  ausgesetzt. Das gilt für die Gesundheit der Ärmsten ebenso wie für uns in Österreich. Darum versteht sich plan:g als Partnerschaft für globale Gesundheit.

Diese Partnerschaft braucht Ihr Mitdenken, Ihr Mithandeln und auch Ihre finanzielle Unterstützung. Werden Sie Teil der Partnerschaft für globale Gesundheit: Mit Ihrer Zahlung machen Sie Gesundheit ansteckend. Das geht schnell. Und mit unserem System sparen Sie die Gebühren der großen Zahlungsanbieter. Danke im Namen des ganzen Teams und im Namen unserer Partnerorganisationen — Silvia Feuerstein, plan:g-(Zeit-)Spendenbetreuung und Spendenbuchhaltung. 

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