Heinz Hödl

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Für mich ist plan:g eines der mutigsten und ehrlichsten „Hilfswerke“ von allen, die ich in über 45 Jahren Berufstätigkeit kennengelernt habe. Nicht nur das kompromisslose Streben nach Qualität, sondern auch das Eingeständnis, dass zur internationalen Zusammenarbeit Fehler und Erfolge eng beieinander liegen können, zeigt ein objektives und realistisches Arbeiten. Da gehört Mut dazu, der manch anderen Werken fehlt. Viele davon versuchen durch eine optimierte Kommunikation uns eine ideale und engagierte Organisation vorzustellen, anderen geht es dabei auch um Spendenmaximierung, sie zeigen oft einseitig ein schlimmes Bild der Zustände, um einerseits mehr Spendengelder einzutreiben und so ihre Existenz zu sichern und um andererseits ihre eigene Existenz zu rechtfertigen. plan:g geht mit Bildern und Botschaften sehr bewusst um. Ihre Initiative für eine andere Form gemeinsamer Kommunikation bestätigt dies. Darum sprechen sie in ihren Aussendungen über ihre Arbeit, über ihre Erfolge und auch über Sackgassen. Sie berichten über die kirchliche Arbeit im Gesundheitssektor und wie sie sich verändert.

Entwicklungszusammenarbeit hat in den vergangenen Jahrzehnten vielen Menschen eine konkrete Verbesserung ihrer Lebenssituation gebracht. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die die Wirksamkeit der internationalen Hilfe und den sorgsamen Umgang mit Hilfsgeldern infrage stellen. Kritik an der Entwicklungszusammenarbeit darf jedoch nicht heißen, dass wir aufhören zu helfen, sondern dass wir ständig darum bemüht sind, in Qualität zu investieren, uns auch kritisch hinterfragen zu lassen und ehrlich mit unserer Arbeit und deren Wirkungen umgehen. Bei der Überprüfung der Wirksamkeit braucht es klare Ziele, faire Partnerschaft, Erfolgskontrollen und Evaluierung. Das leistet plan:g in vorbildlicher Weise. Wo möglich, orientiert sich plan:g an akzeptierten Standards.

Gleichzeitig muss aber auch klar sein, dass es eine Utopie ist, Entwicklungszusammenarbeit allein könne alle Probleme der Welt lösen. Denn die Rahmenbedingungen der globalisierten Welt sind alles andere als entwicklungsfreundlich für die Armen weltweit. Daher können wir nicht nur mehr Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit einfordern. Es geht schon lange nicht mehr nur um mehr Geld. Schwierige Probleme sind zu lösen, einfache oder optimale Lösungen gibt es nicht.

Daher hat plan:g für die Projektarbeit, die Systeme verbessert, ein neues Narrativ ausgearbeitet: „Die klassische Erzählung von Armut, Krankheit, Reichtum und Hilfe kann es verunmöglichen, Gefühle von Schuld, Angst konstruktiv zu wandeln. Deshalb sucht plan:g den Anschluss an neue Narrative der internationalen Zusammenarbeit“.

Ein Teil der missionarischen Verpflichtung der Kirche in Österreich besteht darin, den Ortskirchen in Österreich und anderen Ländern auf allen Kontinenten zu ermöglichen, ihre Sendung zu leben. Dazu gehören sowohl das anwaltschaftliche Engagement, Bildungsarbeit und Humanitäre Hilfe als auch die Unterstützung von Entwicklungs- und Friedensarbeit. Die Dienste kirchlicher Sendung, wie zum Beispiel Pastoral-, kirchliche Sozial-, Entwicklungs- und Friedensarbeit sind unausweichliche Konsequenzen aus der ernst genommenen Botschaft Christi. plan:g hat dazu missionswissenschaftliche Überlegungen zu Grundlagen ihrer Arbeit dargestellt.

plan:g ist eine Stiftung der Diözese Feldkirch. Die Stiftung, deren Öffnung oder Schließung durch bischöfliches Dekret möglich ist, gehört sich selbst. Wir müssen diese (interne) Legitimität stärken, d.h. die Organisation und Kapazitäten sicherstellen. Dazu ist Lobbying für entwicklungspolitische Themen in der Kirche notwendig. Wach und offen sein für Veränderung – ohne sich ständig grundsätzlich in Frage zu stellen. Und um zukunftsfähig zu bleiben, ist es immer wieder notwendig unsere Praxis zu reflektieren. Wie können wir unsere Unterschiedlichkeit nutzen, wie können die einen von den andern profitieren, wie müssen wir Kräfte und Ressourcen bündeln, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein? Denn eines ist gewiss, nur wer in Zukunft wirklich zusammenarbeitet und die Zeichen der Zeit richtig einschätzen kann, wird erfolgreiche Arbeit leisten können.

Durch das Engagement für die Hungernden und Notleidenden in Kirche, Politik und Wirtschaft und für ein gerechtes Miteinander in der Welt verwirklicht plan:g den diakonischen Grundauftrag der Kirche und trägt dazu bei, Jesus Christus den Menschen unserer Zeit zu bezeugen.

Als Dokument der katholischen Soziallehre regt die Enzyklika Laudato Si' einen neuen öffentlichen Dialog über schwierige aktuelle Themen wie soziale Gerechtigkeit und Klimawandel an. Wie der Papst in seiner Enzyklika betont, ist mitunter öffentlicher Druck erforderlich, wenn wichtige politische Maßnahmen durchgesetzt werden sollen: „Über Nichtregierungsorganisationen und intermediäre Verbände muss die Gesellschaft die Regierungen verpflichten, rigorosere Vorschriften, Vorgehensweisen und Kontrollen zu entwickeln“.

 Wer im Gesundheitssektor arbeitet, weiß in aller Regel, dass mit einfachen Rezepten keine nachhaltige Gesundung möglich ist. Siehe dazu den Grundsatzartikel „DER `ONE HEALTH GEDANKE` – WICHTIGER DENN JE“ im KOO Jahresbericht 2020 vom März 2021 (Seite 3).

Es heißt, die kirchliche Entwicklungszusammenarbeit in der Diözese Feldkirch ist insgesamt in einem Um- und Aufbruch. Die Veränderungen bei plan:g sind in diesem Zusammenhang zu sehen, ich hoffe es gibt weiterhin eine positive Entwicklung.

plan:g ist als Fachorganisation im Gesundheitssektor der Entwicklungszusammenarbeit für die Menschen im Süden und bei uns in Österreich unverzichtbar. Daher unterstütze ich plan:g!

Heinz Hödl

Wien, im März 2021

Heinz Hödl, 1974 bis 1980 auf Einsatz in Papua Neu Guinea, 1981 bis 2001 Geschäftsführer der Dreikönigsaktion, Jänner 2002 bis April 2018 Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission. Seit 2016 Beiratsmitglied des Bischöflichen Hilfswerkes Misereor in Deutschland. Mitglied und Rechnungsprüfer vom Mauthausen Komitee Österreich, Mitarbeit im Arbeitskreis Mission & Soziales der Ordensgemeinschaften Österreichs.