Sehtest: Zum Welttuberkulosetag den Blick schärfen.

Der 24. März eines jeden Jahres ist der Welttuberkulosetag.

Als Robert Koch am 24. März 1882 die Entdeckung des TB-Bakteriums bekannt gab, starb in Europa jeder siebente Mensch an TB.

Das Bild oben ist auf einer Müllkippe in Uganda entstanden. Wir haben dieses Bild über unseren Postverteiler verschickt. Es liegt in vielen Kirchen und Ordinationen aus.

Wir wollen mit diesem Bild auf das aufmerksam machen, was sonst zu oft übersehen wird. Wir möchten Ihren Blick schärfen. Danke, dass Sie uns das erlauben: Die Bezugnahme auf Missstände und das Vorschlagen konstruktiver Lösungen, die wir als Gesellschaft gemeinsam ermöglichen können, sind grundsätzliche Aufgabe von plan:g – Partnerschaft für globale Gesundheit. 

Der Soziologe Stephan Lessenich schreibt 2018 in seinem Buch „Neben uns die Sinnflut – Wie wir auf Kosten anderer leben“:

„Wenn einer gewinnt, verlieren andere. Jeder von uns ist ein verantwortlicher Akteur in diesem Nullsummenspiel, dessen Verlierer jetzt an unsere Türen klopfen.“

Die Überwindung der TB gelingt nicht mit wohltätiger Hilfe, sondern nur mit struktureller Veränderung. Diese muss bei uns in Österreich beginnen. Das ist ein Auftrag von Jesus Christus: Heil und Heilung bringen. Als Stiftung der Diözese Feldkirch sind wir diesem Auftrag verpflichtet. Darum arbeiten wir menschenrechtsorientiert im Gesundheitssektor der Entwicklungszusammenarbeit.

Es geht bei diesem Auftrag nicht um ein schlechtes Gewissen. Sondern um Verantwortungsübernahme. Jede Einzelperson ist damit überfordert, jeder Mensch kann aber einen Anfang machen. Wir wollen gemeinsam mit Ihnen mehr Verantwortung übernehmen. 

Zum Bild

In der mittleren linken Rand der Müllkippt stehen ein paar Kinder. Kinder werden oft übersehen. Wir müssen unseren Blick schärfen, um sie wahrzunehmen.

Die junge Frau im Vordergrund trägt keine Handschuhe.  Die Frau ist dadurch sehr verletzlich.

Wundversorgung in den Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit des globalen Südens ist nicht zuletzt aufgrund der Verletzungsarten und der Verletzungshäufigkeiten viel komplexer als in Österreich.

Das Bild zeigt, dass es keinen Sinn macht, „Vertikalprogramme“ weiter zu entwickeln: „Vertikalprogramme“, das sind Programme, die sich nur um eine bestimmte Krankheit kümmern. plan:g wurde 1958 als Leprahilfswerk gegründet. Wo in Vertikalprogrammen nur für die Wundversorgung von Leprawunden gesammelt wird, bleiben viele andere unversorgt. Aber alle Menschen haben ein Recht auf Behandlung. Und ein diabetischer Fuß schaut kaum anders aus als ein lepröser Fuß. Nun könnte gefragt werden, ob die Versorgung wenigstens der leprösen Füße nicht besser als die Versorgung gar keiner Füße sei?

Das auf den ersten Blick vernünftig wirkende Argument übersieht, dass Gesundheit nur im Zusammenwirken entsteht. Stellen Sie sich vor, in dem für Sie zuständigen Landeskrankenhaus würde jahrzehntelang nur die Dermatologie gefördert: Sie merken – das kann nicht funktionieren. Eine einzelne von außen geförderte Abteilung kann die Entwicklung des gesamten Krankenhauses empfindlich stören.

Zurück zu einem weiteren Detail im Bild: Der Hund im Vordergrund sitzt friedlich da. Wir informieren Sie darüber, was Tier- und Menschengesundheit und die Gesundheit der allerärmsten Menschen auf der Müllkippe mit Ihrer Gesundheit zu tun haben.

Informiert bleiben und mitmachen

Hier können Sie sich unverbindlich in unseren Postverteiler aufnehmen lassen. Dreimal schicken wir Ihnen ein Informationsschreiben. Üblicherweise melden wir uns etwa einmal im Quartal.

Nur wenn Sie uns aktiv mit einer Überweisung unterstützen, behalten wir Sie im Postverteiler. Der Datenschutz ist gewährleistet, wir geben Ihre Adresse nicht weiter.

Wenn wir weiterhin erfolgreich wirken wollen, müssen wir unseren Unterstützungskreis vergrößern. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe: Ihr Interesse, hinter die Wirkungsweisen von Ausbeutung und Entsolidarisierung zu schauen und letztlich Ihr ganz persönliches Interesse, möglichst lange gesund zu bleiben. Das gelingt nur in Gemeinschaft und in Gerechtigkeit. 

Das Poster

Laden Sie das plan:g-Poster zum Welttuberkulosetag 2019 herunter.

Wir freuen uns, wenn es in möglichst vielen Schaukästen von Pfarrgemeinden und in vielen Ordinationen und anderen öffentlichen Orten sichtbar aushängt. Die Botschaft: TB-Arbeit wird die Kirche "zerbeulen" (Papst Franziskus), weil TB-Arbeit notwendig politisch ist. Nicht im Sinn der Parteipolitik, sondern im Sinne einer Parteinahme für all jene Menschen, denen das Recht auf Zugang zum Gesundheitssektor verwehrt bleibt. Auch in Österreich ist TB ein Politikum. Nach einem leichten Anstieg der Fallzahlen 2015 und 2016 wurde zum Teil geradezu hysterisch über die TB-Gefahr durch Migration berichtet. Die eigentlich epidemiologische Herausforderung mit mehrfach antibiotikaresistenten Fällen primär aus Osteuropa und der dringende Bedarf an wirksamen Medikamenten werden öffentlich immer noch viel zu wenig wahrgenommen.

Bruder Klaus-Kapelle Hirschegg

plan:g – Partnerschaft für globale Gesundheit wiederholt die 2018er-Aktion „Light Up the World in Red to End TB“. 2019 leuchtet die Bruder Klaus-Kapelle in Hirschegg, Kleinwalsertal, in rot. 2018 wurde die Basilika in Rankweil angestrahlt. Genauso wie viele Parlamentsgebäude, Denkmäler und andere weltweit bekannte Gebäude. Ziel der Aktion: TB in das öffentliche Bewusstsein rücken. Denn TB ist nach wie vor die tödlichste bakterielle Infektionskrankheit weltweit und geht alle Menschen an. Auch Dich.

Presse-Gespräch zum Welt-TB-Tag 2019: Expert*innen-Chat und Informationen zu den TB-Symposien in Kampala und Wien

Bregenz, Linz, Kampala, Daresslam (21.03.2019). Zum Welttuberkulosetag (TB-Tag) am 24. März informierte plan:g – Partnerschaft für globale Gesundheit über Ergebnisse der TB-Symposien in Kampala und Wien sowie über Konsequenzen für die TB-Arbeit. TB bleibt eine politische Herausforderung. Neu: Sowohl in Wien wie auch in Kampala wurde vermehrt über opportunistische Erreger nach ausgeheilter TB gesprochen. 

Uganda ist ein TB-Hochprävalenzland. Dr. Ssekamatte Kawuma, langjähriger TB-Experte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Mitglied der ugandischen Koordinationsgruppe des Global Funds und plan:g-Beiratsmitglied, informierte über die Themen der Kampala-Tagung.

TB ist im globalen Süden mit HIV/Aids assoziiert. Gemeinwesenbasierte Organisationen spielen eine zentrale Rolle bei der Fallfindung, die dringend verbessert werden muss. Immer noch werden zu viele Erkrankungen nicht rechtzeitig entdeckt. Thema in Kampala war die sehr hohe finanzielle Belastung der meist nicht versicherten Haushalte. Eine TB-Erkrankung bedeutet in vielen Fällen den wirtschaftlichen Ruin.

Die Arbeit von plan:g konzentriert sich in Kampala auf die bei Diagnostik und Therapie völlig vernachlässigte Hochrisikogruppe der Straßenkinder und -familien. Damit ist die Arbeit von plan:g sehr  relevant. Gleichzeitig ist die Arbeit politisch: Hochrisikogruppen wie Obdachlose, Flüchtlinge oder Menschen mit abweichender sexueller Orientierung werden aus dem Gesundheitssystem ausgeschlossen.

Auch in Österreich wird der Welt-TB-Tag seit vielen Jahren beachtet. Der Verein Heilanstalt Alland (Österreichs Vertretung in der internationalen Tuberkuloseunion) führt die Veranstaltungen durch. Vom heurigen TB-Symposium in der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) berichtete Dr. Helmut Salzer vom Kepleruniversitätsklinikum in Linz.

In der AGES informierten sich am 19. März 2019 etwa 100 Gesundheitsfachleute über den aktuellen Stand von Forschung und Behandlung. Österreich ist eine Erfolgsgeschichte in Sachen TB. Aufgrund der sehr niedrigen Fallzahlen ist es eine Herausforderung, Ärzt*innen für TB-Fälle zu sensibilisieren.

Auch in Österreich ist TB ein Politikum. Nach einem leichten Anstieg der Fallzahlen 2015 und 2016 wurde zum Teil geradezu hysterisch über die TB-Gefahr durch Migration berichtet. Die eigentlich epidemiologische Herausforderung mit mehrfach antibiotikaresistenten Fällen primär aus Osteuropa und der dringende Bedarf an wirksamen Medikamenten wird nach Einschätzung von plan:g- Geschäftsführer Matthias Wittrock öffentlich immer noch viel zu wenig wahrgenommen: „Bei uns ist TB höchstens ein Thema in den ländlichen Regionen, weil auch Tiere betroffen sind. Die im europäischen Vergleich sehr niedrige Gesundheitskompetenz der Österreicherinnen und Österreicher ist auch entwicklungspolitisch ein Problem: Statt politische Lösungen zu diskutieren, werden Ängste geschürt.“

Noch gibt es zu wenig Forschung bezüglich der Zusammenhänge von boviner und humaner TB. plan:g hat dazu 2017 die Durchführung einer Studie in Indien finanziert; für 2020 ist – vorbehaltlich einer Finanzierung durch Spenden – die Erweiterung der Studie in den ländlichen Regionen der Turkana (Uganda und Kenia) geplant.

Sowohl Dr. Salzer wie Dr. Kawuma berichteten über neuere Forschungen zu nichttuberkulösen bakteriellen Infektionen in Folge einer TB (durch "nicht-tuberkulöse Mykobakterien", NTT) . NTT finden sich so gut wie überall, etwa im Erdboden oder im Wasser. Bei Menschen mit geheilter Lungen-TB verursachen nicht von Mensch zu Mensch übertragbare NTT zunehmend häufig Infektionen. Die Ursachen sind noch unbekannt.

Dr. Kawuma berichtete von ähnlichen Studienergebnissen bei Pilzinfektion nach TB aus dem ugandischen Gulu, die seiner Ansicht nach aufgrund mangelnder Labordiagnostik und der in Uganda zu priorisierenden Fallfindung noch nicht ausreichend verfolgt werden können.

Bei der Diagnostik spielt oft die große Entfernung zu den Laboren eine Rolle. Zusammen mit Partnerorganisationen in Daressalam arbeitet plan:g an Möglichkeiten einer Transportoptimierung.

Andreas Fink von plan:g, der die bei der Pressekonferenz zum Einsatz kommende Lernplattform programmiert, äußerte sich überzeugt, dass „Wissensaustausch heilt“: Mehr öffentliches Bewusstsein für die Armutskrankheit TB sei notwendig.

Links und Fotos zur Presse-Information



Chronic pulmonary aspergillosis commonly complicates treated pulmonary tuberculosis with residual cavitation in: European Respiratory Journal 53 (3) 1801184; Published 18 March 2019 DOI: 10.1183/13993003.01184-2018

Über TB sprechen. „Light Up the World in Red to End TB“
plan:g-Pressefoto zum Welt TB-Tag 2019 Bruder Klaus-Kapelle Hirschegg (siehe oben)



Weil Sie sich für Gesundheit und die Eine Welt interessieren ...

 … haben Sie bis hierher gelesen. Dafür bin ich Ihnen dankbar. Denn die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Krankheit in der Einen Welt sind sehr komplex. In einer sich schnell verändernden Welt ist das Menschenrecht auf Gesundheit immer neuen Bedrohungen  ausgesetzt. Das gilt für die Gesundheit der Ärmsten ebenso wie für uns in Österreich. Darum versteht sich plan:g als Partnerschaft für globale Gesundheit.

Diese Partnerschaft braucht Ihr Mitdenken, Ihr Mithandeln und auch Ihre finanzielle Unterstützung. Werden Sie Teil der Partnerschaft für globale Gesundheit: Mit Ihrer Zahlung machen Sie Gesundheit ansteckend. Das geht schnell. Und mit unserem System sparen Sie die Gebühren der großen Zahlungsanbieter. Danke im Namen des ganzen Teams und im Namen unserer Partnerorganisationen — Pfr. Edwin Matt, Kuratoriumsvorsitzender. 

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