Missionswissenschaftliche Überlegungen zu Grundlagen unserer Arbeit.

Interkulturelle Theologie/Missionstheologie

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) hat ein umfassendes Verständnis von Mission postuliert. Kirche steht auch vor der Aufgabe, soziale Probleme der Entwicklungsgerechtigkeit anzugehen und Lösungen zu erarbeiten. Von diesem Dienst der Kirche soll jeder Mensch, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Religion, profitieren.

Darauf aufbauend fordert Papst Franziskus einen Mentalitätswandel hin zu einer „solidarischen Gewohnheit“. Die Notwendigkeit einer Veränderung betrifft auch die Arbeit von plan:g selbst. Im Gestalten von Veränderungsprozessen - von der Wohltätigkeit zur Solidarität, vom Aussätzigen-Hilfswerks Österreich zu plan:g - geht es auch in Zukunft um das Verstehen und Gestalten kritisch-rationalen christlichen Handelns in einer verbesserungswürdigen Welt.

Das Zweite Vatikanum

Fragen der geistlichen und pastoralen Begleitung stellen sich beispielsweise bezüglich des Verhältnisses, in dem das in österreichischen Gemeinden gelebte Christentum zu nichtchristlichen Religionen oder Weltanschauungen steht. Hier geht es nicht nur darum, potenzieller oder wachsender Islamfeindlichkeit vorzubeugen; in der konkreten Projektarbeit geht es auch sehr häufig um das Spannungsverhältnis der in Österreich gelebten Glaubenspraxis zu einer nichtwestlich inkulturierten Katholizität. Inkulturation bezeichnet das Einbringen von Verhaltensmustern, Denkweisen oder Ansichten von einer Kultur in eine andere – ein klassisches Beispiel ist der Weihnachtsbaum, aber auch das abendländisch-aufklärerische Denken gehört dazu.

Zentrale Bezugspunkte

Zentrale Bezugspunkte in der Arbeit von plan:g sind zwei Dokumente des Zweiten Vatikanums: zum einen die Erklärung „Über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ („Nostra Aetate“), zum anderen das Dekret „Über die Missionstätigkeit der Kirche“ („Ad Gentes“). Ein Kernsatz von Nostra Aetate lautet: „Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.“ Wir Christen sind aufgefordert, „die geistlichen, sittlichen, sozialen und kulturellen Werte anderer Religionen anzuerkennen, zu wahren und zu fördern“ (NA 2).

2015 jährte sich die Verabschiedung des Konzilsdokuments „Nostra Aetate“ zum 50. Mal. Vor dem Hintergrund dieser Erklärung betont das Dekret Ad Gentes die Universalität der Evangelisierung: Die Menschwerdung des Sohnes Gottes ist jenes Geheimnis, das im Plan Gottes „für das Heil des Menschengeschlechtes“ (also aller Menschen) geschehen ist (AG 2). Zudem hat der Jude Jesus „sein Leben freiwillig für die Welt“ hingegeben (AG 4).

Weil wir uns an Nostra Aetate orientieren, achten wir das Wahre und Richtige z.B. im Islam. So, wie unser Weihnachtsbaum inkulturiert und uns wichtig ist, respektieren wir, dass in vielen Teilen der Welt ein Regenschirm über dem die Wandlung sprechenden Priester aufgespannt wird. Das sind Zeichen der Achtsamkeit. Wir respektieren aber beispielsweise nicht, wenn theologische Debatten instrumentalisiert werden. So dient die Verfolgung und Stigmatisierung von Homosexuellen nur allzu oft der Legitimierung zunehmend autoritärer Herrschaft. Dies lehnen wir ab. Diese Positionierung gründet in unserem Missionsverständnis und in unserem integralen Verständnis von Evangelisierung.

Mit diesem integralen Verständnis von Evangelisierung ist eine stammessolidarische Unterstützung ausschließlich für Christen unvereinbar, die in der Projektarbeit durchaus von uns eingefordert wird. Auch hier beziehen wir gegenüber unseren Partnern und Spendern deutlich Stellung.

plan:g arbeitet primär mit katholischen Partnerorganisationen, die wie wir als Akteure von Veränderungsprozessen wirken wollen. Um Vertikalität auch bei der Partnerauswahl zu vermeiden, arbeitet plan:g stets integral, das heißt, wir beziehen staatliche Akteure immer mit ein: Der Staat als die im Menschenrechtsverständnis „rechtegebende“ Institution wird in die Verantwortung genommen. Nur die Einbindung des Staates ermöglicht den nachhaltigen Aufbau von gesundmachenden Strukturen.

Dokumente und externe Links

Einige Enzykliken oder Lehrschreiben sind für die Arbeit im Gesundheitssektor der Entwicklungszusammenarbeit besonders relevant. Wir stellen diese Dokumente hier vor und verweisen ansonsten auf das Angebot unter vatican.va.

Some encyclicals are particularly relevant to the work in the health sector of development cooperation. We provide these documents below, and refer to the complete offer at vatican.va.

Die Steyler Missionare haben sich über Jahrzehnte hinweg intensiv mit dem Thema Mission auseinandergesetzt. Das Missionsverständnis der Steyler Missionare ist mit der Zeit gewachsen – auch das ist Heilsgeschichte.

Die Arbeitsgemeinschaft Entwicklungshilfe (AGEH) ist der Personaldienst der deutschen Katholiken für (personelle) Entwicklungszusammenarbeit (PEZA). Eine interne Arbeitsgruppe der AGEH hat bis 2009 das Grundsatzpapier „MitMenschen“ zur Theologie der Personellen Entwicklungszusammenarbeit erarbeitet, das auch unserer Arbeit im Bereich der PEZA Orientierung gibt.


Das zentrale Thema des Alten Testaments ist die Exoduserfahrung: Das Volk Israel zieht in die Freiheit. Gott offenbart sich als Befreier eines geknechteten Volkes. Dieses Versprechen Gottes setzt sich im Neuen Testament nahtlos fort: Jesus berührt die Ausgestoßenen, die aussätzig gemachten Menschen. Jesus stirbt am Kreuz – eine Marter, die das Römische Reich für Unfreie und Sklaven reserviert hatte. Christus identifiziert sich mit den Armen (Matthäus 25, 35 – 36): Er war fremd, krank und nackt.

Papst Johannes Paul XXIII hat die Option für die Armen nicht erfunden. Diese ist im Alten und im Neuen Testament angelegt. Das II. Vaticanum nimmt aber z.B. in Lumen gentium 8 (Berufung der Kirche auf den Weg der Armut) sehr bewusst Bezug auf diese Wurzeln. Daran schließen die II. und III. Generalversammlungen des lateinamerikanischen Episkopats (Medellin 1968 und Puebla 1979) an. Der Dienst an den Armen ist ein vorrangiger Bestandteil der Nachfolge Christi. Dazu muss sich die Kirche bekennen, verändern und bekehren.

Die Option für die Armen bedeutet, die Gesellschaft zu verstehen: Was schafft Armut? Wie steht die Kirche zur Armut? Wenn die Kirche die Strukturen verstanden hat, die globale Armut zementieren, ist sie dazu gerufen, diese Strukturen zu verändern. Es geht um eine politische Option für die Armen – das ist der Auftrag der Bewusstseinsmachung (awareness raising) und der Auftrag, mit anderen Menschen für die Überwindung der Armut zu arbeiten. Die politische Option ist der Auftrag, nicht für andere tätig zu werden, sondern mit ihnen: Gott hat Menschen einen Namen gegeben, was uns zur Partizipation verpflichtet.

Dieser letzte Punkt ist zentral wichtig: Die Option für die Armen hat weit mehr als das materielle Heil im Blick und schließt niemanden aus. Die Option für die Armen kann verkürzt als ein Aufruf zum Klassenkampf gelesen werden. Die Option für die Armen kann aber auch erweitert werden: Als eine Option für die soziale und ökologische Veränderung.

Als eine Fachstelle für Entwicklungszusammenarbeit im Gesundheitswesen schließt sich plan:g dieser Interpretation an, die auch Papst Franziskus immer wieder betont.

Mehr Informationen zum Katakombenpakt

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Enzyklika Laudato Si‘


Evangelii Gaudium

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Vatikanisches Konzil: Erklärung – Nostra Aetate
deutsch - english - français - italiano - swaheli

Vatikanisches Konzil: Verordnung – Ad Gentes
deutsch - english - français - italiano - swaheli

Missionswissenschaftliches Institut Missio e.V.
Link: www.mwi-aachen.org

Deutsche Gesellschaft für Missionswissenschaft
Link: www.dgmw.org

Im Wortlaut: Die gemeinsame Erklärung zur Geschwisterlichkeit aller Menschen

VORWORT

Der Glaube lässt den Gläubigen im anderen einen Bruder sehen, den man unterstützt und liebt. Aus dem Glauben an Gott, der das Universum, die Geschöpfe und alle Menschen – aufgrund seines Erbarmens – mit gleicher Würde erschaffen hat, ist der Gläubige gerufen, diese menschliche Brüderlichkeit zum Ausdruck zu bringen, indem er die Schöpfung und das ganze Universum bewahrt und jeden Menschen unterstützt, besonders die am meisten Bedürftigen und die Ärmsten.

Ausgehend von diesem transzendenten Wert haben wir uns in verschiedenen Begegnungen, die von einer Atmosphäre der Brüderlichkeit und Freundschaft geprägt waren, über die Freuden, Leiden und Probleme der heutigen Welt im Hinblick auf den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt, die Errungenschaften in der Medizin, das digitale Zeitalter, die Massenmedien und Kommunikationsmittel ausgetauscht; über die Armut, die kriegerischen Auseinandersetzungen und das Leiden so vieler Brüder und Schwestern in verschiedenen Teilen der Welt, die hervorgerufen werden durch Wettrüsten, soziale Ungerechtigkeit, Korruption, Ungleichheit, moralischen Verfall, Terrorismus, Diskriminierung, Extremismus und viele weitere Ursachen.

Aus diesem brüderlichen und aufrichtigen Austausch, den wir hatten, und aus der Begegnung voller Hoffnung auf eine strahlende Zukunft für alle Menschen, entstand die Idee dieses »Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen«. Das Dokument ist aufrichtig und sorgfältig durchdacht und soll eine gemeinsame Erklärung guten und aufrichtigen Willens sein, so dass es alle, die in ihren Herzen den Glauben an Gott und den Glauben an die Brüderlichkeit aller Menschen tragen, einlädt, sich zusammenzutun und gemeinsam daran zu arbeiten, und dass das Dokument so für die jungen Generationen zu einem Leitfaden einer Kultur des gegenseitigen Respekts wird, im Verständnis der großen göttlichen Gnade, die alle Menschen zu Brüdern macht. 

DOKUMENT

Im Namen Gottes, der alle Menschen mit gleichen Rechten, gleichen Pflichten und gleicher Würde geschaffen hat und der sie dazu berufen hat, als Brüder und Schwestern miteinander zusammenzuleben, die Erde zu bevölkern und auf ihr die Werte des Guten, der Liebe und des Friedens zu verbreiten.

Im Namen der unschuldigen menschlichen Seele, die zu töten Gott verboten hat, wenn er sagt, dass jeder, der einen Menschen ermordet, so ist, als hätte er die ganze Menschheit getötet, und dass jeder, der einen Menschen rettet, so ist, als hätte er die ganze Menschheit gerettet.

Im Namen der Armen, Notleidenden, Bedürftigen und Ausgegrenzten, denen beizustehen nach Gottes Gebot alle verpflichtet sind, insbesondere alle vermögenden und wohlhabenden Menschen.

Im Namen der Waisen, Witwen, Flüchtlinge und aller, die aus ihren Häusern und Heimatländern vertrieben wurden, aller Opfer von Krieg, Verfolgung und Ungerechtigkeit; im Namen aller Schwachen, aller in Angst lebenden Menschen, der Kriegsgefangenen und der Gefolterten überall auf der Welt, ohne irgendeinen Unterschied.

Im Namen der Völker, die der Sicherheit, des Friedens und des gemeinsamen Zusammenlebens entbehren und Opfer von Zerstörung, Niedergang und Krieg wurden.

Im Namen der »Brüderlichkeit aller Menschen«, die alle umfasst, vereint und gleich macht an Würde.

Im Namen dieser Brüderlichkeit, welche durch die politischen Bestrebungen von Integralismus und Spaltung sowie durch maßlos gewinnorientierte Systeme und abscheuliche ideologische Tendenzen, die die Handlungen und Schicksale der Menschen manipulieren, entzweit wird.

Im Namen der Freiheit, die Gott allen Menschen geschenkt hat, als er sie frei geschaffen und mit dieser besonderen Würde auszeichnet hat.

Im Namen der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit, den Grundlagen des Wohlstands und den Eckpfeilern des Glaubens.

Im Namen aller Menschen guten Willens an allen Orten der Welt.

Im Namen Gottes und all dieser erklären Al-Azhar al-Sharif – mit den Muslimen von Ost und West – und die Katholische Kirche – mit den Katholiken von Ost und West – gemeinsam, dass sie die Kultur des Dialogs als Weg, die allgemeine Zusammenarbeit als Verhaltensregel und das gegenseitige Verständnis als Methode und Maßstab annehmen wollen.

Wir – die wir an Gott und an die endgültige Begegnung mit ihm und an sein Gericht glauben – verlangen ausgehend von unserer religiösen und moralischen Verantwortung mit diesem Dokument von uns selbst und den leitenden Persönlichkeiten in der Welt, von den Architekten der internationalen Politik und der globalen Wirtschaft, ein ernsthaftes Engagement zur Verbreitung einer Kultur der Toleranz, des Zusammenlebens und des Friedens; ein schnellstmögliches Eingreifen, um das Vergießen von unschuldigem Blut zu stoppen und Kriegen, Konflikten, Umweltzerstörung und dem kulturellen und moralischen Niedergang, den die Welt derzeit erlebt, ein Ende zu setzen.

Wir rufen die Intellektuellen, die Philosophen, die Vertreter der Religionen, die Künstler, die Medienleute und die Kulturschaffenden in der ganzen Welt auf, die Werte des Friedens, der Gerechtigkeit, des Guten, der Schönheit, der menschlichen Brüderlichkeit und des gemeinsamen Zusammenlebens wiederzuentdecken, um die Bedeutung dieser Werte als Rettungsanker für alle deutlich zu machen und sie möglichst überall zu verbreiten.

Ausgehend von einer tiefen Reflexion über unsere gegenwärtige Realität, in Achtung vor ihren Erfolgen und im Miterleben ihrer Leiden, ihrer Unglücke und Katastrophen, kommt diese Erklärung zu der Überzeugung, dass Hauptursachen für die Krise der modernen Welt ein betäubtes menschliches Gewissen und eine Entfremdung von religiösen Werten sowie die Dominanz von Individualismus und materialistischen Philosophien ist, die den Menschen vergöttlichen und weltliche wie auch materielle Werte an die Stelle der höchsten und transzendenten Prinzipien setzen.

In Anerkennung der positiven Entwicklung, die unsere moderne Zivilisation in den Bereichen der Wissenschaft, der Technologie, der Medizin, der Industrie und des Wohlstands insbesondere in den entwickelten Ländern genommen hat, betonen wir, dass mit diesen großen und geschätzten historischen Fortschritten auch ein Verfall der Ethik, die internationales Handeln prägt, sowie eine Schwächung der geistlichen Werte und des Verantwortungsbewusstseins einhergeht. All dies trägt dazu bei, dass sich ein allgemeines Gefühl von Frustration, Einsamkeit und Verzweiflung ausbreitet, das viele dazu bringt, entweder in den Strudel des atheistischen und agnostischen Extremismus oder in einen religiösen Integralismus, Extremismus und blinden Fundamentalismus zu verfallen und so andere Menschen dazu führt, sich Formen der Abhängigkeit und der individuellen und kollektiven Selbstzerstörung zu ergeben.

Die Geschichte macht deutlich, dass religiöser wie nationaler Extremismus und Intoleranz in der Welt, sowohl im Westen als auch im Osten, etwas hervorgerufen haben, was man als Anzeichen eines »stückweisen Dritten Weltkriegs« bezeichnen könnte, Anzeichen, die in verschiedenen Teilen der Welt und unter verschiedenen tragischen Bedingungen bereits ihr grausames Gesicht gezeigt haben; Situationen, von denen nicht genau bekannt ist, wie viele Opfer, Witwen und Waisen sie hervorgebracht haben. Darüber hinaus gibt es andere Bereiche, die dabei sind, sich zum Schauplatz neuer Konflikte zu entwickeln, in denen es Spannungsherde und Anhäufungen von Waffen und Munition gibt, und zwar in einer global von Unsicherheit, Enttäuschung, Zukunftsangst und von kurzsichtigen wirtschaftlichen Interessen geprägten Situation.

Wir bekräftigen auch, dass die heftigen politischen Krisen, die Ungerechtigkeit und das Fehlen einer gerechten Verteilung der natürlichen Ressourcen – von denen nur eine Minderheit Reicher auf Kosten der Mehrheit der Erdbevölkerung profitiert – eine enorme Anzahl an Kranken, Bedürftigen und Toten hervorgebracht haben und weiterhin hervorrufen und tödliche Krisen verursachen, denen mehrere Länder ausgesetzt sind, trotz des natürlichen Reichtums und der Ressourcen der jungen Generationen, die sie kennzeichnen. Angesichts dieser Krisen, die dazu führen, dass Millionen von Kindern an Hunger sterben, die aufgrund von Armut und Unterernährung bereits bis auf die Knochen abgemagert sind, herrscht ein inakzeptables internationales Schweigen.

In diesem Zusammenhang wird deutlich, wie wichtig die Familie als grundlegender Kern der Gesellschaft und der Menschheit ist, um Kinder zur Welt zu bringen, aufzuziehen, heranzubilden und ihnen eine solide Moral und familiären Schutz zu bieten. Die Institution der Familie anzugreifen, sie zu verachten oder an der Bedeutung ihrer Rolle zu zweifeln, ist eines der gefährlichsten Übel unserer Zeit.

Wir bestätigen auch die Wichtigkeit des Wiedererwachens des Sinns für das Religiöse und der Notwendigkeit, ihn in den Herzen der neuen Generationen durch die gesunde Erziehung und die Annahme der moralischen Werte und der rechten religiösen Lehren wiederzubeleben, um den individualistischen, egoistischen, konfliktbeladene Tendenzen, dem Radikalismus und dem blinden Extremismus in all seinen Formen und Erscheinungen entgegenzutreten.

Das erste und wichtigste Ziel der Religionen ist es, an Gott zu glauben, ihn zu ehren und alle Menschen dazu aufzurufen zu glauben, dass dieses Universum von einem Gott abhängig ist, der es führt, der der Schöpfer ist, der uns mit seiner göttlichen Weisheit geformt hat und uns die Gabe des Lebens geschenkt hat, um sie zu behüten. Niemand hat das Recht, diese Gabe wegzunehmen, zu bedrohen oder nach seinem Gutdünken zu manipulieren. Im Gegenteil müssen alle diese Gabe des Lebens von ihrem Anfang bis zu ihrem natürlichen Tod zu bewahren. Deshalb verurteilen wir alle Praktiken, die das Leben bedrohen, wie die Genozide, die terroristischen Akte, die Zwangsumsiedlungen, den Handel mit menschlichen Organen, die Abtreibung und die Euthanasie sowie die politischen Handlungsweisen, die all dies unterstützen.

Ebenso erklären wir mit Festigkeit, dass die Religionen niemals zum Krieg aufwiegeln und keine Gefühle des Hasses, der Feindseligkeit, des Extremismus wecken und auch nicht zur Gewalt oder zum Blutvergießen auffordern. Diese Verhängnisse sind Frucht der Abweichung von den religiösen Lehren, der politischen Nutzung der Religionen und auch der Interpretationen von Gruppen von religiösen Verantwortungsträgern, die in gewissen Geschichtsepochen den Einfluss des religiösen Empfindens auf die Herzen der Menschen missbraucht haben: Die Gläubigen sollten dazu geführt werden, Dinge zu tun, die nichts mit der Wahrheit der Religion zu tun haben; sie sollten weltliche und kurzsichtige politische und wirtschaftliche Ziele verwirklichen.

Deshalb bitten wir alle aufzuhören, die Religionen zu instrumentalisieren, um Hass, Gewalt, Extremismus und blinden Fanatismus zu entfachen. Wir bitten, es zu unterlassen, den Namen Gottes zu benutzen, um Mord, Exil, Terrorismus und Unterdrückung zu rechtfertigen. Wir bitten darum aufgrund unseres gemeinsamen Glaubens an Gott, der die Menschen nicht erschaffen hat, damit sie getötet werden oder sich gegenseitig bekämpfen, und auch nicht, damit sie in ihrem Leben und in ihrer Existenz gequält und gedemütigt zu werden. Denn Gott, der Allmächtige, hat es nicht nötig, von jemandem verteidigt zu werden; und er will auch nicht, dass sein Name benutzt wird, um die Menschen zu terrorisieren.

Dieses Dokument bekräftigt im Einklang mit den vorausgehenden Internationalen Dokumenten, die die Wichtigkeit der Rolle der Religionen im Aufbau des weltweiten Friedens hervorgehoben haben, das Folgende:

  • Die feste Überzeugung, dass die wahren Lehren der Religionen dazu einladen, in den Werten des Friedens verankert zu bleiben; dass sie dazu anregen, die Werte des gegenseitigen Kennens, der Brüderlichkeit aller Menschen und des allgemeinen Miteinanders zu vertreten; dass sie darauf hinwirken, dass die Weisheit, die Gerechtigkeit und die Nächstenliebe wiederhergestellt werden und der Sinn für die Religiosität unter den jungen Menschen wiedererweckt wird, um die neuen Generationen vor der Vorherrschaft des materialistischen Gedankenguts, vor der Gefahr der politischen Handlungsweisen der Gier nach maßlosem Gewinn und vor der Gleichgültigkeit zu schützen, die alle auf dem Gesetz der Kraft und nicht auf der Gesetzeskraft begründet sind.
  • Die Freiheit ist ein Recht jedes Menschen: ein jeder genießt Bekenntnis-, Gedanken-, Meinungs- und Handlungsfreiheit. Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat. Diese göttliche Weisheit ist der Ursprung, aus dem sich das Recht auf Bekenntnisfreiheit und auf die Freiheit, anders zu sein, ableitet. Deshalb wird der Umstand verurteilt, Menschen zu zwingen, eine bestimmte Religion oder eine gewisse Kultur anzunehmen wie auch einen kulturellen Lebensstil aufzuerlegen, den die anderen nicht akzeptieren.
  • Die Gerechtigkeit, die auf der Barmherzigkeit gründet, ist der Weg, der beschritten werden muss, um zu einem Leben in Würde zu gelangen, auf das jeder Mensch Anspruch hat.
  • Der Dialog, die Verständigung, die Verbreitung der Kultur der Toleranz, der Annahme des Anderen und des Zusammenlebens unter den Menschen würden beträchtlich dazu beitragen, viele wirtschaftliche, soziale, politische und umweltbezogene Probleme zu verringern, die einen großen Teil des Menschengeschlechts bedrängen.
  • Der Dialog unter den Gläubigen bedeutet, sich im enormen Raum der gemeinsamen geistlichen, menschlichen und gesellschaftlichen Werte zu begegnen und diese zugunsten der höchsten moralischen Tugenden einzusetzen, die von den Religionen erweckt werden; er bedeutet auch, die unnützen Diskussionen zu vermeiden.
  • • Der Schutz der Gottesdienststätten – Tempel, Kirchen und Moscheen – ist eine von den Religionen, den menschlichen Werten, den Gesetzen und den internationalen Konventionen gewährleistete Verpflichtung. Jeder Versuch, die Gottesdienststätten anzugreifen oder sie durch Attentate oder Explosionen oder Zerstörungen zu bedrohen, ist eine Abweichung von den Lehren der Religionen sowie eine klare Verletzung des Völkerrechts.
  • Der verdammenswerte Terrorismus, der die Sicherheit der Personen im Osten als auch im Westen, im Norden als auch im Süden bedroht und Panik, Angst und Schrecken sowie Pessimismus verbreitet, ist nicht der Religion geschuldet – auch wenn die Terroristen sie instrumentalisieren –, sondern den angehäuften falschen Interpretationen der religiösen Texte, den politischen Handlungsweisen des Hungers, der Armut, der Ungerechtigkeit, der Unterdrückung, der Anmaßung; deswegen ist es notwendig, die Unterstützung für die terroristischen Bewegungen durch Bereitstellung von Geldern, Waffen, Plänen oder Rechtfertigungen und auch durch die medizinische Versorgung einzustellen und all dies als internationale Verbrechen anzusehen, die die weltweite Sicherheit und Frieden bedrohen. Man muss einen derartigen Terrorismus in all seinen Formen und Erscheinungen verurteilen.
  • Die Auffassung von Bürgerrecht fußt auf der Gleichheit der Rechte und Pflichten, unter deren Schutz alle die gleiche Gerechtigkeit genießen. Daher ist notwendig, sich dafür einzusetzen, dass in unseren Gesellschaften die Auffassung des vollwertigen Bürgerrechts festgelegt und auf eine diskriminierende Verwendung des Begriffs Minderheiten verzichtet wird. Diese bringt den Samen des Gefühls der Isolation und der Minderwertigkeit mit sich; sie bereitet der Feindseligkeit und dem Unfrieden den Boden und nimmt die Errungenschaften und die religiösen und zivilen Rechte einiger Bürger weg, während sie diese diskriminiert.
  • Es ist unbestreitbar, dass die Beziehung zwischen dem Westen und dem Osten von gegenseitiger Notwendigkeit ist und weder ersetzt noch vernachlässigt werden kann, damit beide durch den Austausch und Dialog der Kulturen sich gegenseitig kulturell bereichern. Der Westen könnte in der Kultur des Ostens Heilmittel für einige seiner geistigen und religiösen Krankheiten finden, die von der Vorherrschaft des Materialismus hervorgerufen wurden. Und der Osten könnte in der Kultur des Westens viele Elemente finden, die ihm hilfreich sind, sich vor der Schwachheit, der Spaltung, dem Konflikt und vor dem wissenschaftlichen, technischen und kulturellen Abstieg zu retten. Es ist wichtig, den religiösen, kulturellen und historischen Unterschieden Aufmerksamkeit zu schenken, die ein wesentlicher Bestandteil in der Bildung der Persönlichkeit, der Kultur und der Zivilisation des Ostens sind. Es ist auch wichtig, die allgemeinen gemeinsamen Menschenrechte zu festigen, um dazu beizutragen, ein würdiges Leben für alle Menschen im Westen und im Osten zu gewährleisten, wobei der Rückgriff auf eine doppelte Politik vermieden werden muss.
  • Es ist eine unabdingbare Notwendigkeit, das Recht der Frau auf Bildung, auf Arbeit und auf Ausübung der eigenen politischen Rechte anzuerkennen. Ferner muss darauf hingearbeitet werden, die Frau von allen historischen und sozialen Zwängen zu befreien, die gegen die Grundsätze des eigenen Glaubens und der eigenen Würde stehen. Es ist ebenso notwendig, sie vor der sexuellen Ausbeutung zu beschützen wie auch davor, als Ware oder Mittel zum Vergnügen oder zum finanziellen Gewinn zu behandelt zu werden. Daher muss man alle unmenschlichen Praktiken und volkstümlichen Bräuche, welche die Würde der Frau erniedrigen, einstellen und dafür arbeiten, dass die Gesetze geändert werden, welche die Frauen daran hindern, ihre Rechte voll zu genießen.
  • Der Schutz der Grundrechte der Kinder, in einer familiären Umgebung aufzuwachsen sowie Ernährung, Bildung und Beistand zu erhalten, ist eine Pflicht der Familie und der Gesellschaft. Diese Rechte müssen garantiert und geschützt werden, damit sie keinem Kind in keinem Teil der Welt fehlen oder verwehrt werden. Es muss jede Praxis verurteilt werden, welche die Würde der Kinder oder ihre Rechte verletzt. Desgleichen ist es wichtig, über die Gefahren zu wachen, denen sie – besonders im digitalen Bereich – ausgesetzt sind, und das Geschäft mit ihrer Unschuld und jede Verletzung ihrer Kindheit als Verbrechen anzusehen.
  • Der Schutz der Rechte der älteren Menschen, der Schwachen, der Menschen mit Behinderung und der Unterdrückten ist eine religiöse und soziale Forderung; er muss durch eine strenge Gesetzgebung und die Anwendung der diesbezüglichen internationalen Konvention gewährleistet und verteidigt werden.

Zu diesem Zweck verkünden und versprechen die Katholische Kirche und Al-Azhar in gemeinsamer Zusammenarbeit, dieses Dokument den Verantwortungsträgern, den einflussreichen Führungskräften, den Religionsvertretern in aller Welt, den zuständigen Organisationen auf regionaler und internationaler Ebene, den Organisationen der Zivilgesellschaft, den religiösen Institutionen und den Meinungsführern zu bringen; sie verkünden und versprechen, sich dafür einzusetzen, die in dieser Erklärung enthaltenen Grundsätze auf allen regionalen und internationalen Ebenen zu verbreiten, indem sie dazu auffordern, diese Grundsätze in Politik, Entscheidungen, Gesetzestexten, Studienprogrammen und Kommunikationsmaterialen umzusetzen.

Al-Azhar und die Katholische Kirche bitten, dass dieses Dokument Forschungs- und Reflexionsgegenstand in allen Schulen, in den Universitäten und in den Erziehungs- und Bildungseinrichtungen werde, um dazu beizutragen, neue Generationen zu bilden, die das Gute und den Frieden bringen und überall das Recht der Unterdrückten und der Geringsten verteidigen.

Abschließend hoffen wir darauf dass:

diese Erklärung eine Einladung zur Versöhnung und zur Brüderlichkeit unter allen Glaubenden, besser noch unter Glaubenden und Nichtglaubenden sowie unter allen Menschen guten Willens;

dass sie ein Aufruf sei an jedes wache Gewissen, das sich von der abweichenden Gewalt und dem blinden Extremismus lossagt; ein Aufruf an den, der die Werte der Toleranz und Brüderlichkeit, die von den Religionen gefördert und unterstützt werden, liebt;

dass sie ein Zeugnis für die Größe des Glaubens an Gott sei, der die getrennten Herzen eint und den menschlichen Geist erhebt;

dass sie ein Symbol für die Umarmung zwischen Ost und West, Nord und Süd sowie zwischen allen, die glauben, dass Gott uns erschaffen hat, damit wir uns kennen, unter uns zusammenarbeiten und als Brüder und Schwestern leben, die sich lieben.

Das hoffen und suchen wir zu verwirklichen, um einen universalen Frieden zu erreichen, den alle Menschen in diesem Leben genießen können.

Abu Dhabi, am 4. Februar 2019

Seine Heiligkeit                             Großimam von Al-Azhar

Papst Franziskus                           Ahmad Al-Tayyeb

(vatican news)

INTRODUCTION

Faith leads a believer to see in the other a brother or sister to be supported and loved. Through faith in God, who has created the universe, creatures and all human beings (equal on account of his mercy), believers are called to express this human fraternity by safeguarding creation and the entire universe and supporting all persons, especially the poorest and those most in need.

This transcendental value served as the starting point for several meetings characterized by a friendly and fraternal atmosphere where we shared the joys, sorrows and problems of our contemporary world. We did this by considering scientific and technical progress, therapeutic achievements, the digital era, the mass media and communications. We reflected also on the level of poverty, conflict and suffering of so many brothers and sisters in different parts of the world as a consequence of the arms race, social injustice, corruption, inequality, moral decline, terrorism, discrimination, extremism and many other causes.

From our fraternal and open discussions, and from the meeting that expressed profound hope in a bright future for all human beings, the idea of this Document on Human Fraternity was conceived. It is a text that has been given honest and serious thought so as to be a joint declaration of good and heartfelt aspirations. It is a document that invites all persons who have faith in God and faith in human fraternity to unite and work together so that it may serve as a guide for future generations to advance a culture of mutual respect in the awareness of the great divine grace that makes all human beings brothers and sisters.

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DOCUMENT

In the name of God who has created all human beings equal in rights, duties and dignity, and who has called them to live together as brothers and sisters, to fill the earth and make known the values of goodness, love and peace;

In the name of innocent human life that God has forbidden to kill, affirming that whoever kills a person is like one who kills the whole of humanity, and that whoever saves a person is like one who saves the whole of humanity;

In the name of the poor, the destitute, the marginalized and those most in need whom God has commanded us to help as a duty required of all persons, especially the wealthy and of means;

In the name of orphans, widows, refugees and those exiled from their homes and their countries; in the name of all victims of wars, persecution and injustice; in the name of the weak, those who live in fear, prisoners of war and those tortured in any part of the world, without distinction;

In the name of peoples who have lost their security, peace, and the possibility of living together, becoming victims of destruction, calamity and war;

In the name of human fraternity that embraces all human beings, unites them and renders them equal;

In the name of this fraternity torn apart by policies of extremism and division, by systems of unrestrained profit or by hateful ideological tendencies that manipulate the actions and the future of men and women;

In the name of freedom, that God has given to all human beings creating them free and distinguishing them by this gift;

In the name of justice and mercy, the foundations of prosperity and the cornerstone of faith;

In the name of all persons of good will present in every part of the world;

In the name of God and of everything stated thus far; Al-Azhar al-Sharif and the Muslims of the East and West, together with the Catholic Church and the Catholics of the East and West, declare the adoption of a culture of dialogue as the path; mutual cooperation as the code of conduct; reciprocal understanding as the method and standard.

We, who believe in God and in the final meeting with Him and His judgment, on the basis of our religious and moral responsibility, and through this Document, call upon ourselves, upon the leaders of the world as well as the architects of international policy and world economy, to work strenuously to spread the culture of tolerance and of living together in peace; to intervene at the earliest opportunity to stop the shedding of innocent blood and bring an end to wars, conflicts, environmental decay and the moral and cultural decline that the world is presently experiencing.

We call upon intellectuals, philosophers, religious figures, artists, media professionals and men and women of culture in every part of the world, to rediscover the values of peace, justice, goodness, beauty, human fraternity and coexistence in order to confirm the importance of these values as anchors of salvation for all, and to promote them everywhere.

This Declaration, setting out from a profound consideration of our contemporary reality, valuing its successes and in solidarity with its suffering, disasters and calamities, believes firmly that among the most important causes of the crises of the modern world are a desensitized human conscience, a distancing from religious values and a prevailing individualism accompanied by materialistic philosophies that deify the human person and introduce worldly and material values in place of supreme and transcendental principles.

While recognizing the positive steps taken by our modern civilization in the fields of science, technology, medicine, industry and welfare, especially in developed countries, we wish to emphasize that, associated with such historic advancements, great and valued as they are, there exists both a moral deterioration that influences international action and a weakening of spiritual values and responsibility. All this contributes to a general feeling of frustration, isolation and desperation leading many to fall either into a vortex of atheistic, agnostic or religious extremism, or into blind and fanatic extremism, which ultimately encourage forms of dependency and individual or collective self-destruction.

History shows that religious extremism, national extremism and also intolerance have produced in the world, be it in the East or West, what might be referred to as signs of a “third world war being fought piecemeal”. In several parts of the world and in many tragic circumstances these signs have begun to be painfully apparent, as in those situations where the precise number of victims, widows and orphans is unknown. We see, in addition, other regions preparing to become theatres of new conflicts, with outbreaks of tension and a build-up of arms and ammunition, and all this in a global context overshadowed by uncertainty, disillusionment, fear of the future, and controlled by narrow-minded economic interests.

We likewise affirm that major political crises, situations of injustice and lack of equitable distribution of natural resources – which only a rich minority benefit from, to the detriment of the majority of the peoples of the earth – have generated, and continue to generate, vast numbers of poor, infirm and deceased persons. This leads to catastrophic crises that various countries have fallen victim to despite their natural resources and the resourcefulness of young people which characterize these nations. In the face of such crises that result in the deaths of millions of children – wasted away from poverty and hunger – there is an unacceptable silence on the international level.

It is clear in this context how the family as the fundamental nucleus of society and humanity is essential in bringing children into the world, raising them, educating them, and providing them with solid moral formation and domestic security. To attack the institution of the family, to regard it with contempt or to doubt its important role, is one of the most threatening evils of our era.

We affirm also the importance of awakening religious awareness and the need to revive this awareness in the hearts of new generations through sound education and an adherence to moral values and upright religious teachings. In this way we can confront tendencies that are individualistic, selfish, conflicting, and also address radicalism and blind extremism in all its forms and expressions.

The first and most important aim of religions is to believe in God, to honour Him and to invite all men and women to believe that this universe depends on a God who governs it. He is the Creator who has formed us with His divine wisdom and has granted us the gift of life to protect it. It is a gift that no one has the right to take away, threaten or manipulate to suit oneself. Indeed, everyone must safeguard this gift of life from its beginning up to its natural end. We therefore condemn all those practices that are a threat to life such as genocide, acts of terrorism, forced displacement, human trafficking, abortion and euthanasia. We likewise condemn the policies that promote these practices.

Moreover, we resolutely declare that religions must never incite war, hateful attitudes, hostility and extremism, nor must they incite violence or the shedding of blood. These tragic realities are the consequence of a deviation from religious teachings. They result from a political manipulation of religions and from interpretations made by religious groups who, in the course of history, have taken advantage of the power of religious sentiment in the hearts of men and women in order to make them act in a way that has nothing to do with the truth of religion. This is done for the purpose of achieving objectives that are political, economic, worldly and short-sighted. We thus call upon all concerned to stop using religions to incite hatred, violence, extremism and blind fanaticism, and to refrain from using the name of God to justify acts of murder, exile, terrorism and oppression. We ask this on the basis of our common belief in God who did not create men and women to be killed or to fight one another, nor to be tortured or humiliated in their lives and circumstances. God, the Almighty, has no need to be defended by anyone and does not want His name to be used to terrorize people.

This Document, in accordance with previous International Documents that have emphasized the importance of the role of religions in the construction of world peace, upholds the following:

  • The firm conviction that authentic teachings of religions invite us to remain rooted in the values of peace; to defend the values of mutual understanding, human fraternity and harmonious coexistence; to re-establish wisdom, justice and love; and to reawaken religious awareness among young people so that future generations may be protected from the realm of materialistic thinking and from dangerous policies of unbridled greed and indifference that are based on the law of force and not on the force of law;
  • Freedom is a right of every person: each individual enjoys the freedom of belief, thought, expression and action. The pluralism and the diversity of religions, colour, sex, race and language are willed by God in His wisdom, through which He created human beings. This divine wisdom is the source from which the right to freedom of belief and the freedom to be different derives. Therefore, the fact that people are forced to adhere to a certain religion or culture must be rejected, as too the imposition of a cultural way of life that others do not accept;
  • Justice based on mercy is the path to follow in order to achieve a dignified life to which every human being has a right;
  • Dialogue, understanding and the widespread promotion of a culture of tolerance, acceptance of others and of living together peacefully would contribute significantly to reducing many economic, social, political and environmental problems that weigh so heavily on a large part of humanity;
  • Dialogue among believers means coming together in the vast space of spiritual, human and shared social values and, from here, transmitting the highest moral virtues that religions aim for. It also means avoiding unproductive discussions;
  • The protection of places of worship – synagogues, churches and mosques – is a duty guaranteed by religions, human values, laws and international agreements. Every attempt to attack places of worship or threaten them by violent assaults, bombings or destruction, is a deviation from the teachings of religions as well as a clear violation of international law;
  • Terrorism is deplorable and threatens the security of people, be they in the East or the West, the North or the South, and disseminates panic, terror and pessimism, but this is not due to religion, even when terrorists instrumentalize it. It is due, rather, to an accumulation of incorrect interpretations of religious texts and to policies linked to hunger, poverty, injustice, oppression and pride. This is why it is so necessary to stop supporting terrorist movements fuelled by financing, the provision of weapons and strategy, and by attempts to justify these movements even using the media. All these must be regarded as international crimes that threaten security and world peace. Such terrorism must be condemned in all its forms and expressions;
  • The concept of citizenship is based on the equality of rights and duties, under which all enjoy justice. It is therefore crucial to establish in our societies the concept of full citizenship and reject the discriminatory use of the term minorities which engenders feelings of isolation and inferiority. Its misuse paves the way for hostility and discord; it undoes any successes and takes away the religious and civil rights of some citizens who are thus discriminated against;
  • Good relations between East and West are indisputably necessary for both. They must not be neglected, so that each can be enriched by the other’s culture through fruitful exchange and dialogue. The West can discover in the East remedies for those spiritual and religious maladies that are caused by a prevailing materialism. And the East can find in the West many elements that can help free it from weakness, division, conflict and scientific, technical and cultural decline. It is important to pay attention to religious, cultural and historical differences that are a vital component in shaping the character, culture and civilization of the East. It is likewise important to reinforce the bond of fundamental human rights in order to help ensure a dignified life for all the men and women of East and West, avoiding the politics of double standards;
  • It is an essential requirement to recognize the right of women to education and employment, and to recognize their freedom to exercise their own political rights. Moreover, efforts must be made to free women from historical and social conditioning that runs contrary to the principles of their faith and dignity. It is also necessary to protect women from sexual exploitation and from being treated as merchandise or objects of pleasure or financial gain. Accordingly, an end must be brought to all those inhuman and vulgar practices that denigrate the dignity of women. Efforts must be made to modify those laws that prevent women from fully enjoying their rights;
  • The protection of the fundamental rights of children to grow up in a family environment, to receive nutrition, education and support, are duties of the family and society. Such duties must be guaranteed and protected so that they are not overlooked or denied to any child in any part of the world. All those practices that violate the dignity and rights of children must be denounced. It is equally important to be vigilant against the dangers that they are exposed to, particularly in the digital world, and to consider as a crime the trafficking of their innocence and all violations of their youth;
  • The protection of the rights of the elderly, the weak, the disabled, and the oppressed is a religious and social obligation that must be guaranteed and defended through strict legislation and the implementation of the relevant international agreements.

To this end, by mutual cooperation, the Catholic Church and Al-Azhar announce and pledge to convey this Document to authorities, influential leaders, persons of religion all over the world, appropriate regional and international organizations, organizations within civil society, religious institutions and leading thinkers. They further pledge to make known the principles contained in this Declaration at all regional and international levels, while requesting that these principles be translated into policies, decisions, legislative texts, courses of study and materials to be circulated.

Al-Azhar and the Catholic Church ask that this Document become the object of research and reflection in all schools, universities and institutes of formation, thus helping to educate new generations to bring goodness and peace to others, and to be defenders everywhere of the rights of the oppressed and of the least of our brothers and sisters.

In conclusion, our aspiration is that:

this Declaration may constitute an invitation to reconciliation and fraternity among all believers, indeed among believers and non-believers, and among all people of good will;

this Declaration may be an appeal to every upright conscience that rejects deplorable violence and blind extremism; an appeal to those who cherish the values of tolerance and fraternity that are promoted and encouraged by religions;

this Declaration may be a witness to the greatness of faith in God that unites divided hearts and elevates the human soul;

this Declaration may be a sign of the closeness between East and West, between North and South, and between all who believe that God has created us to understand one another, cooperate with one another and live as brothers and sisters who love one another.

This is what we hope and seek to achieve with the aim of finding a universal peace that all can enjoy in this life.

Abu Dhabi, 4 february 2019