Platz für Menschen am Rand

Beim 60. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (30. Oktober – 5. November 2017) wird der Film und das Webprojekt "A cidade inventada - the invented village" vorgestellt. Mit www.acidadeinventada.com.brwill die Filmemacherin Liliana Sulzbach ein Forum für Interessierte und Betroffene schaffen, um sich über die Erfahrung mit der Stigmatisierung auszutauschen und darüber, wie Gesellschaften mit dem Erbe von Leprakolonien umgehen: Was passiert, wenn die letzten Bewohner gestorben sind? 

Evelyne Leandro, selbst leprabetroffen, Autorin von „Ausgesetzt – der Kampf mit einer längst vergessenen Krankheit“ und Mitglied im Fachbeirat des Aussätzigen-Hilfswerk Österreich sagt dazu: „Es ist unglaublich was die Zwangsisolation, die in Brasilien Anfang der 30er bis Mitte der 80er mit tausenden von Menschen gemacht hat. Die Ausgrenzung ist bis heute spürbar. Der Film hat mich als Betroffe berührt, weil ich das Leben fühlen konnte. Es geht um Menschen wie mich, die sich mit dem Schicksal abgefunden haben, um ein Leben in Würde leben zu können, trotz allen Schwierigkeiten.“ 

Viele leprabetroffene Menschen leben noch immer in Lepradörfern, oft von der Welt abgeschnitten. Derlei Orte sind heute überflüssig: Lepra ist behandelbar und Menschen mit Leprabehinderungen können reintegriert werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert zu Recht die Auflösung von Lepradörfern, -kolonien oder -heimen, weil diese zur extremen Stigmatisierung beitragen. Die Stigmatisierung hat zu extremen Menschenrechtsverletzungen wie zum Beispiel zu Zwangsadaptionen ins Ausland geführt. 

Im Film wird die Thematik der Zwangsadoptionen nur am Rande angesprochen: Eine Frau spricht davon, dass man ihr Kind weggenommen habe. Der Film zeigt den Alltag der Menschen, nicht das Ausmaß des Unrechts. Die Kamera begleitet die Bewohner im Alltag: In Gesprächen, beim Kaffee trinken... 

Die Geschichte der Lepra ist eine Geschichte der Ausgrenzung. Aus Angst vor Ansteckung wurden Kranke in Europa seit dem Mittelalter ausgesondert. Auf der griechischen Insel Spinalonga existierte eine Lepra-Kolonie bis 1957, im Osten Rumäniens bis in die neunziger Jahre. Auch wenn die Krankheit mittlerweile heilbar ist, in Indien werden Kranke bis heute häufig von ihren Familien verstoßen. 

Dazu Evelyne Leandro: „Der eigentliche Skandal ist die Haltung der Weltgemeinschaft zu vernachlässigten Tropenkrankheiten wie der Lepra. Es gäbe die Möglichkeiten, diese Krankheiten zu überwinden. Aber weil diese Krankheiten arme Menschen am Ende der Welt betreffen, leisten wir uns das Vergessen und Ausgrenzen.“ 

Allein in Brasilien gibt es noch gut 30 Leprosorien. Einige bekommen so gut wie keinerlei Unterstützung, andere werden durch wohltätige Spenden finanziert und auch am Laufen gehalten – Spenden sind aber vor allem nötig, um vernachlässigte Krankheiten wie die Lepra strukturell zu überwinden. Es ist eine politische Herausforderung, Menschen am Rande Platz in der Gesellschaft zu machen. 



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